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Vom Regen in die Traufe ?
Von der Schule ins Praktikum - eine ermutigende Reportage

Mal ganz abgesehen davon, dass es möglicherweise noch andere Menschen gibt, denen gerade die Frage durch den Kopf geht, was eigentlich eine "Traufe" ist, lässt sich mit lässigem Lächeln sagen, dass dieser Vergleich höchst unzutreffend ist. Und selbst wenn man die Schule mit "Regen" vergleichen wollte - was eigentlich unzulässig ist -, so ist das Praktikum ganz sicher keine "Traufe". (Haben Sie schon im Lexikon nachgesehen ??)

Die Schüler unserer Schule absolvieren während ihrer Schullaufbahn zwei Betriebspraktika zu je 3 Wochen. So waren auch dieses Jahr die Acht- und Neuntklässler unterwegs, um Ofen und Kamine einzusetzen, Lebensmittel zu sortieren und zu verkaufen, Möbel zu bauen, die Flugzeugabfertigung auf dem Flughafen kennen zu lernen, Blumen zu netten Gestecken zu kreieren, Gerippe aus Gummi zu gießen, wissend in die PCs einer Softwarefirma zu schauen und jede Menge Müll und Unrat aus den Hamburger Betrieben zu entfernen.

Wer nun dachte, dass Praktika gewöhnlich aus Herumstehen, dem Satz "Ich werde Sie weiter vermitteln, ich bin nämlich nur Praktikant." und lästigen Handlange- und Reinigungsarbeiten bestehen, hat sich geirrt. Ich also auch, denn ich war bei meinen Besuchen in den verschiedenen Betrieben äußerst positiv überrascht. Fast allen Betreuern ist klar, dass unsere Praktikanten nicht eigentlich zum Arbeiten gekommen sind, sondern für ihre Berufsorientierung einen Blick in die Betriebe tun wollen. Daher wird viel erklärt, viel herumgereicht, viel ausgewertet und auch sehr gut beobachtet.

Es ist schon erstaunlich, was man während dieser 3 Wochen lernen kann. Da sind zahlreiche positive Erfahrungen.

Der Beruf der Floristin ist viel spannender als gedacht. Man verkauft nicht einfach Blumen, sondern benötigt Kreativität, kaufmännische Kenntnisse und ne Menge Geschick im Umgang mit den Kunden.

Der Job auf dem Hamburger Flughafen ist tatsächlich ein Traum, schon das Flair und das Ansehen sind nett, auch das Geld stimmt und, welch wichtige Erfahrung, sah anfangs die Koordination der Flugzeuge, Tankwagen und sonstigen Fahrzeuge absolut undurchsichtig und kompliziert aus, so hat man am Ende den Eindruck, doch relativ gut durchgesehen und ein klares System entdeckt und verstanden zu haben. Und selbst wenn der Praktikant bei Lufthansa - Technik sich wohl nie ein Privatflugzeug mit goldenen Klobecken wird leisten können, so hat er es doch genossen, einmal mit einem lächelnden Auge Einblick in die schrille Welt der Superreichen bekommen und eine Menge über Flugzeugtechnik gelernt zu haben.

Herrlich ist auch die Erfahrung, dass man völlig aufgeregt den ersten Tag in den Kindergarten kommt, sofort aber die Herzen der Kinder erobert und sich von Anfang an zu Hause fühlt. Immer wieder gruppieren sich die kleinen Würmer zu einer Gruppe, die mit einem spielen und basteln wollen. Und ohne es zu merken, gehört man schon in der zweiten Woche fast richtig zum Team, trägt ein wenig Verantwortung und viel Wohlwollen seitens der Erzieher.

Doch die kleinen heilsamen Schocks bleiben auch nicht aus. Gut so, denn schließlich erhoffen sich so manche Lehrer von der Erfahrung, dass die regelmäßige Erwerbstätigkeit doch ziemlich anstrengend ist, Disziplin, Pünktlichkeit und Verantwortung fordert, eine deutlich verbesserte Lernhaltung und frische Begeisterung beim Lernen in der netten Schule. Vielleicht ist es auch nur das entspannte Lächeln einer Praktikantin, die täglich mit perfekt gestyltem Haar, lackierten Fingernägeln und schwarzen Stiefelletten, die eigentlich unbequem und so gar nicht nach dem eigenen Geschmack sind, bei Douglas ständig lächelnd schuften musste und leider ein wenig erfahren musste, warum Schönsein weh tut.

 















 

Vielleicht kommt neue Motivation zur Schule auch aus der entdeckten Liebe zum Praktikumsberuf. Das kann dadurch kommen, dass man merkt, dass ein Ofensetzer tatsächlich Mathe braucht und sogar ohne Taschenrechner auskommt. Dass man in einer noblen Marketing-Abteilung nicht ohne sehr gute Deutschkenntnisse auskommt, ist klar. Doch dass auch ein Tischler ohne Englisch-Kenntnisse kaum seine Maschinen bedienen könnte, da deren Betriebsanleitung meist auf Englisch verfasst ist, gibt einem schon zu denken.

Es ist wirklich sehr erfreulich zu sehen, dass all diese neuen Erfahrungen unsere Schüler nicht entmutigen, sondern motivieren und herausfordern. Immer wieder habe ich erfahren, dass sonst eher verschlossene, weniger leistungsstarke Schüler in ihrem Praktikum aufgehen und einen hervorragenden Eindruck hinterlassen.

Es war schon verblüffend und äußerst erhebend immer wieder zu hören: "Ja, er macht sich sehr gut, er sieht die Arbeit, ist pünktlich und hilft sofort." "Sie hat sich wunderbar eingearbeitet und gehört schon richtig zum Team, so als wäre sie schon immer hier. Sie ist offen, geht auf die Kinder/ oder Kunden zu, ist selbständig und fragt auch, wenn sie etwas nicht weiß." Und fast regelmäßig enden die Einschätzungen mit dem Satz "Wir hatten auch schon andere Praktikanten..." Für mich ist das eine Riesenfreude, wenn meine Schüler darin herausstechen, dass sie auf Menschen zugehen können, offen mit Erwachsenen kommunizieren können und nach kurzer Zeit einen so positiven Eindruck in einer völlig fremden Umgebung hinterlassen.

So, was ist nun mit der "Traufe" ? Warum hat eigentlich kein Praktikant angefragt, ob er nicht einmal in den Beruf des Lehrers hineinschnuppern kann ? Na, vielleicht wäre das dann die "Traufe" !?? ...Scherz ! ANDREAS HUHN

p.s.: Die nächsten Praktikumstermine für unsere Klassen 8 und 9 finden sich auf der Terminseite.