1. Welches Kind wird in die Vorschulklasse aufgenommen?
1970 wurden in Hamburg die ersten Vorschulklassen eingerichtet. Sie sollen bevorzugt von der ersten Klasse zurück gestellte Kinder auffangen und Kinder, die bis zum 30. Juni das 5. Lebensjahr vollendet haben, auf den Schulalltag vorbereiten. Wir nehmen Kinder auf, bei denen wir mit hinreichender Gewissheit erwarten können, dass sie im nächsten Jahr die Klasse 1 der AHFS besuchen werden. Wir verstehen also unsere Vorschulklasse als hilfreiche Schulvorbereitung für alle Kinder.
2. Welche Ziele verfolgt die Vorschulklasse?
2.1 Schulfähigkeit
Die Kinder sollen innerhalb des Vorschuljahres zur Schulfähigkeit geführt werden. Unter Schulfähigkeit versteht man, dass das Kind einen Entwicklungsstand erreicht hat, der es dem Kind ermöglicht, die Kulturtechniken (Lesen, Rechnen, Schreiben) im Rahmen einer Gruppe zu erlernen. Dies erfordert einen bestimmten Entwicklungsstand im kognitiven Bereich, in der Arbeitshaltung, Motivation und Einordnungsbereitschaft. Um diesen Entwicklungsstand zu erreichen, ist eine individuelle Förderung und gezielte Beobachtung notwendig, um evtl. Defizite und Entwicklungsrückstände zu erkennen, die in der Regel innerhalb des Vorschuljahres aufgeholt werden können. In Einzelfällen ist eine begleitende Therapie sinnvoll. Vorschulklassen sollen den Schuleintritt erleichtern und einen gleitenden Übergang von der Familie in das schulische Lernen ermöglichen.
2.2 Interessen haben
Kinder ohne wesentliche Defizite und Rückstände sind im Jahr vor der Schule außerordentlich aufnahmebereit und offen für Sachinformationen. Sie können zwar noch nicht allein lesen, aber sie sind wissbegierig und höchst interessiert, die Zusammenhänge des täglichen Lebens und möglichst alle Geheimnisse dieser Welt zu ergründen. Wenn wir ihre Neugier nicht anregen, steuern und befriedigen, sind sie allein aufs Fernsehen angewiesen. Zu diesem Zweck steht in der Vorschulklasse jede Woche unter einem sachkundlichen Wochenthema.
3. Was unterscheidet die Vorschulklasse vom Kindergarten?
Die Vorschule unterscheidet sich im wesentlichen vom Kindergarten darin, dass die Kinder in einer Gruppe Gleichaltriger zusammen lernen. Dies beinhaltet, dass die Kinder ihren Platz innerhalb der Gruppe finden müssen. Sie erkennen sehr schnell, dass ein anderes Kind etwas schneller, besser oder auch schlechter als es selbst kann. Diese Erfahrungen müssen verkraftet und verarbeitet werden. Das Kind lernt, sich selbst einzuschätzen, einzuordnen und abzugrenzen. Diese Einordnung geschieht innerhalb der Vorschulklasse maßgeblich auf der sozialen Ebene und noch nicht - wie ab der 1. Klasse vorwiegend - auf der Leistungsebene. Gegen Ende des Vorschuljahres haben die Kinder auch Selbstkontrolle, Konzentration auf das gesprochene Wort und planmäßiges und ausdauerndes Ordnen von Informationen gelernt. Ein weiterer Unterschied zum Kindergarten besteht darin, dass die Vorschulklasse der Schule angegliedert ist und damit eine enge Zusammenarbeit mit der Schule bzw. Kollegen aus der 1. Klasse stattfinden kann.
4. Was lernt mein Kind in der Vorschule?
Das Kind lernt nicht Lesen, Rechnen und Schreiben, die typischen Dinge, die wir mit Schule verbinden, sondern
- sich in einer Gruppe Gleichaltriger zurechtzufinden
- eigene Bedürfnisse zu äußern bzw. zurückzuhalten
- etwas von sich zu erzählen und anderen zuzuhören
- Selbstvertrauen aufzubauen.
Die Umsetzung dieser wenigen beispielhaft genannten Ziele sieht für jedes Kind anders aus, da jedes Kind von einer anderen Ausgangsposition her kommt. Da ist z.B. ein Kind, welches zu Hause das Älteste ist und sich daher gut behaupten und durchsetzen kann, da es seinen jüngeren Geschwistern voraus ist. In der Vorschulklasse muss es sich mit gleichaltrigen Kindern auseinandersetzen und erlebt hier vielleicht zum ersten Mal, dass es nicht immer der Erste sein kann. Oder das Einzelkind, welches zu Hause im Mittelpunkt steht, erfährt in der Vorschule, dass es nur eines von vielen Kindern ist, die alle gern drankommen wollen und alle gern neben der Lehrerin sitzen wollen. Aber auch das schüchterne, gehemmte Kind soll ermutigt werden und Selbstvertrauen aufbauen können.
Die Persönlichkeitsentwicklung des einzelnen Kindes steht im Mittelpunkt!
Weitere Lernziele sind,
- mit einem Partner, in einer kleinen Gruppe spielen
- die eigenen Gedanken und Absichten klar und angemessen aussprechen
- sich einigen und abstimmen lernen
- emotionale, angstfreie Beziehungen aufbauen
- partnerschaftlich handeln und planen lernen
- Verantwortung übernehmen
- Spielregeln einhalten lernen
- Interesse an der Umgebung entwickeln
- selbständig werden (An- und Ausziehen, Schleife binden etc.)
Freie und gelenkte Angebote sollen dem Kind helfen, diese Ziele zu erreichen. So gibt es jeden Vorschultag eine freie Spielzeit, in welcher das Kind selbständig entscheiden muss, mit wem es welches Spiel spielen will. Oder ob es vielleicht allein malen oder auch ein Buch anschauen möchte. Diese Entscheidungsfähigkeit ist nicht bei jedem Kind vorhanden, so dass einige ermutigt bzw. angeregt werden müssen, während andere genau wissen, was sie spielen wollen. Ebenso gibt es gelenkte Angebote, die für alle Kinder verpflichtend sind. Bei diesen Angeboten werden soziale wie auch Sachthemen herangezogen und altersentsprechend bearbeitet, das heißt. z. B. mit Hilfe von Bilderbüchern, Rollenspielen, Bastelangeboten, Liedern und Versen.
Neben den genannten Zielen nimmt auch die Sprech- und Gesprächsförderung einen breiten Raum ein. Darunter wird verstanden, dem Kind viele Sprechanlässe zu geben, bei denen es erzählen kann, aber genau so, es auch zum Lernen von Abzählreimen, Versen, Gedichten, Liedern, Fingerspielen und dem Raten von Rätseln aufzufordern.
Musik, Tanz und Bewegung werden in den Tagesablauf einbezogen, denn die Kinder haben in diesem Alter einen großen Bewegungsdrang.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das vielfältige Angebot von freien und gelenkten Aktivitäten der Förderung der geistigen, gefühlsmäßigen, körperlichen und sozialen Fähigkeiten des Kindes dienen soll.
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