Merkmale einer Schule auf biblischer Basis
1. Eine christliche Bekenntnisschule pflegt nicht in erster Linie christliche Traditionen
Die meisten Eltern denken bei "Merkmalen einer christlichen Bekenntnisschule" erst einmal an äußere Merkmale, z.B. an die tägliche Andacht, das Schulgebet und die biblische Geschichte. Diese äußeren Zeichen findet man auch anderswo, manchmal als Ruinen einer christlichen Schulgeschichte. Das aber sind nicht die grundlegenden und die maßgebenden Merkmale einer christlichen Bekenntnisschule.
Eine christliche Schule will nicht nur formal, sondern von Grund auf christlich sein. Aber was sind denn die grundlegenden Merkmale? Schüler aus "gläubigen" Elternhäusern müssen, wie alle anderen Schüler auch, Gott persönlich kennen lernen. Diese Beziehung soll alle Bereiche des Denkens und des praktischen Lebens umfassen. Die theoretische Seite haben sie meist schon ausreichend gehört, die gedankliche Verarbeitung und die praktische Anwendung brauchen mehr Zeit.
Wir müssen davon ausgehen, dass lebendiger Glaube nicht durch fromme Zwangsernährung anerzogen werden kann. Christliche Bekenntnisschule will durch ihre Bindung aller Bereiche an die Bibel eine zuverlässige Grundlage und das Rüstzeug für Selbständigkeit geben, und dies eben auch in der Glaubensbeziehung zu Gott.
2. Eine neutrale Schule ohne Bekenntnis gibt es nur auf dem Papier
Christliche Bekenntnisschulen erweisen sich zunächst einmal darin als Bekenntnisschulen, dass sie sich an ein Bekenntnis gebunden haben und dieses Bekenntnis auch öffentlich ausweisen. Davon ausgehend, dass Schule nie ideologisch neutral betrieben werden kann, sind Kinder an staatlichen Schulen den vielfältigsten Einflussnahmen ausgesetzt. Jeder Lehrer hat sein spezielles Weltbild, das zwangsläufig in den Unterricht einfließt, auch dann, wenn er versucht, einen sogenannten wertfreien Unterricht zu geben. Dabei fällt nur wenigen auf, dass der angeblich wertfreie Unterricht gerade durch das Fehlen der Kategorien von "gut" und "böse", "richtig" und "falsch" handfeste ideologische Bindungen bewirkt und aus biblischer Sicht Irreführung bedeutet.
3. Christliche Bekenntnisschulen sagen offen, wozu sie sich bekennen
Den Eltern ist in den meisten Fällen vorher nicht bekannt, in welche Richtung jeder Lehrer und jede Lehrerin "bilden" werden und worin sich die Lehrerrichtungen von der Elternrichtung unterscheiden. So manche Eltern hätten alles unternommen, um ihr Kind in eine andere Klasse oder Schule zu bekommen, wenn sie vorher gewusst hätten, welchen Einfluss welcher Lehrer ausübt.
Hier setzt die christliche Schule an, indem sie sich auf eine bestimmte Ausrichtung festlegt und diese nach außen hin "bekennt". So bekennen alle im deutschsprachigen Raum existierenden Bekenntnisschulen, dass die Bibel für sie die uneingeschränkte Autorität für Lehre und Leben ist. Diese Ausrichtung wird den Eltern also v o r h e r eingehend bekanntgemacht.
Bekenntnisschulen wollen ein Angebot an solche Eltern sein, die ihre Kinder in der Schule auf der Grundlage der Heiligen Schrift erzogen wissen möchten.
Die Anforderungen der Bekenntnisschulen an die anzustellenden Lehrer sind hoch. Lehrer müssen sich, neben dem Zeugnis ihrer Bekehrung, zur alleinigen Grundlage der Heiligen Schrift bekennen, in einer lebendigen Gemeinde verbindlich mitarbeiten und sich in ihrem normalen Umfeld als Vorbilder erweisen. Die Anstellungsvoraussetzungen und Richtlinien der Schule machen den Lehrer den Eltern schon vorher bekannt. Eltern, die ihre Kinder im biblischen Sinn erziehen möchten, dürfen wissen, dass die Lehrer der christlichen Bekenntnisschulen nach besten Kräften mit ihnen an einem Strang in dieselbe Richtung arbeiten.
4. Christliche Bekenntnisschulen erziehen im Auftrag der Eltern
Die Schule empfängt ihren Bildungsauftrag über die Eltern, indem sie einen Teilbereich ihrer Aufgabe, den sie selbst nicht wahrnehmen können, an die Schule weitergeben; trotzdem aber bleiben die Eltern auch dafür verantwortlich. Aus diesem Grunde muss sich die Schule auch gegenüber den Eltern verantworten.
Auch wenn die Bekenntnisschulen offen sind, Kinder aus nicht gemeindegebundenen Elternhäusern aufzunehmen, sehen sie sich speziell beauftragt durch Eltern, die ihre Kinder im Sinne des Wortes Gottes erziehen wollen. Der theoretische Ansatz muss natürlich von der Praxis her gefüllt werden. Die Lehrer der Bekenntnisschule sind gehalten, einen intensiven Kontakt zu den Eltern der Schüler zu halten. Sie sollen z.B. die Eltern der Grundschüler möglichst einmal im Jahr besuchen.
Die Eltern werden ihrerseits ermutigt, den intensiven Kontakt zum Lehrer zu suchen, der die Bereitschaft mitbringt, zu hören und Anregungen entgegenzunehmen. So soll erreicht werden, dass der Lehrer mit den Eltern, gerade auch im Hinblick auf die persönlichen Belange des einzelnen Kindes, zusammenarbeitet und sich mit ihnen abstimmt. Geeignete Eltern sind im Elternbeirat und möglichst auch im Schulträger vertreten, um auch die grundlegende Arbeit maßgeblich mit zu gestalten.
5. Die Mitarbeiter haben sich in der örtlichen Gemeinde bewährt
Auch wenn christliche Bekenntnisschulen ihre Aufgabe übergemeindlich wahrnehmen, stehen hinter ihnen örtliche Gemeinden. Gemeinden haben durch ihre Hilfe oft erst das Entstehen der Schule ermöglicht. Die Mitarbeiter der Schulen sind wiederum Mitglieder und Mitarbeiter der Gemeinden am Ort. Das Getragensein von Schülern und Lehrern durch Gebet gehört zu den grundlegenden Merkmalen einer christlichen Schule.
Das beginnt bei den Lehrern, die ihren Unterricht im Gebet vorbereiten und für jeden einzelnen Schüler vor Gott eintreten. Wenn irgendwo Probleme auftauchen, so ist das Gebet nicht das einzige aber das mächtigste Mittel zur Problemlösung. Schließlich besteht die Hauptaufgabe der begleitenden Mitarbeitergremien des Schulträgers im umfassenden Gebet für Lehrer, Eltern und Schüler. Es gibt sogar Schulen, in denen sich die Eltern regelmäßig, zusammen mit Lehrern und Mitarbeitern, zum gemeinsamen Gebet treffen.
Jede Schule steht und fällt mit ihren Lehrern, ebenso die christlichen Bekenntnisschulen. Die Lehrer sind Vorbilder. Sie sollen (und wollen!) die christliche Botschaft im Unterricht praktizieren und leben. Wie schon erwähnt, ist dabei von Bedeutung, dass nur solche Lehrer an einer Bekenntnisschule unterrichten können, die bekehrt und wiedergeboren sind und sich in ihrer Gemeinde bewährt haben.
6. Die Schüler sollen lernen, so zu leben, wie ihr Lehrer lebt.
Das biblische Konzept der Pädagogik überlässt es nicht dem Schüler, sich aus einer Fülle von Angeboten das Reizvollste auszusuchen. Es geht vielmehr davon aus, dass der Lehrende, weil er selbst unter der Herrschaft Gottes lebt und sich nach seinem Wort ausrichtet, dem Schüler das vermittelt, was nützlich, gut und wahr ist. Das Kind soll ihm vertrauen dürfen, so wie es einem guten Vater vertrauen darf. Natürlich soll der Schüler lernen, was der Lehrer weiß und sagt. Der wichtigere Teil aber ist, dass der Schüler leben lernen soll, wie der Lehrer lebt.
So kann die Bekenntnisschule ihren Auftrag nur wahrnehmen, wenn der Lehrer Vorbild bei der praktischen Umsetzung der christlichen Theorie in seinem Leben ist. Zunächst einmal in seinem Verhältnis zu Jesus Christus, dann zu seiner Gemeinde, zu seinen Angehörigen und zu seinen Kollegen. Die Schüler werden gebildet durch die Art des Umganges, den er pflegt, durch die Art seines Sprechens. Sie werden erleben, ob er ein Mensch der Liebe ist, ob er persönlich aus Vergebung lebt und diese weitergeben kann, wie er mit Fehlern umgeht, ob er sein eigenes Leben geordnet hat, und vieles andere.
Das alles lernen die Schüler an dem Lehrer durch den persönlichen Bezug. Die Lebensführung des Lehrers wird sich auf die Atmosphäre im Unterricht niederschlagen. Der christliche Lehrer weiß, dass er seinen Schülern schadet, wenn er ihnen die Freude am Herrn nicht schmackhaft macht und wenn er von ihnen nicht auch Disziplin und Ordnung verlangt und gegebenenfalls Strafen erteilt. Wenn dies auf der Grundlage des Vorbildes und in der Verantwortung vor Gott geschieht, so wird im Klassenzimmer erst recht Harmonie und Freude herrschen und eine Atmosphäre von Vertrauen, die den Schülern Geborgenheit gibt.
7. Die Schüler sollen selber denken lernen, nicht nur wie "man" denkt
Der christliche Lehrer erfüllt seine Aufgabe nicht nur gegenüber Eltern und Vorgesetzten, sondern vor allem gegenüber dem lebendigen Gott, der ja sein persönlicher Herr ist. Dies verbietet jede Gleichgültigkeit und Ungerechtigkeit und verpflichtet ihn, seine Schuld vor Gott und Menschen zu bereinigen. So wird er nicht nur als Unterrichtender, sondern auch als ein Seelsorger das Werden und Wachsen des Kindes begleiten.
Es gehört selbstverständlich dazu, dass er mit den Schülern einzeln oder in der Klasse über ihr Verhalten auf dem Pausenhof spricht oder über die Art der Witze, die sie sich erzählen, oder ihnen erklärt, was es bedeutet, wenn man sich gegenseitig schlecht macht. Er hilft auch den starken Schülern, die schwachen nicht auszulachen, sondern sie zu unterstützen und ihnen gemeinsam Mut zu machen.
Wenn der Lehrer als Christ unterrichtet, wird er bemüht sein, sich in allem durch Gottes Geist und Wort leiten zu lassen. Dies betrifft die Ziele, den Stoff, die Präsentation und die Methoden. So werden Lehrer einer christlichen Bekenntnisschule auf Methoden verzichten, die z.B. das einzelne Kind abhängig machen vom Gruppenkonsens oder von seinen Lustgefühlen. Sie werden okkulte Bezüge nicht verherrlichen, wie dies zunehmend im herkömmlichen Unterricht geschieht. Sie werden auf Lehrmittel verzichten, die den Gott der Bibel verleugnen oder die Familie und Ehe in Frage stellen.
Statt dessen werden sie bemüht sein, alle Dinge von Gottes Wort her mit ihren Schülern zu untersuchen und ins Licht der Wahrheit zu stellen, um so den Schülern eine tragfähige Grundlage für ein selbständiges Leben in dieser und jener Welt mitzugeben. Sie werden immer wieder mit den Schülern fragen, ob es gut und richtig ist, was "man" tut und denkt und sagt. Natürlich wird die Auswahl von Zielen, Stoff und Methoden nicht dem Lehrer allein überlassen sein. Jede Schule hat ihre Richtlinien, die eine klare Linie garantieren.
8. Dann gibt es auch noch biblischen Unterricht und christliche Formen
Davon ausgehend, dass Gottes Wort in der Schule die Grundlage für alle Lebens- und Wissensbereiche ist, und nicht nur einen Platz im Religionsunterricht hat, wird man in allen Fächern die anstehenden Fragen von Gottes Wort her einordnen und begreiflich machen. Deshalb wird eine "Überfütterung" mit biblischem Unterricht nicht eintreten. Die Sorge vor derartiger Fehlbildung geht davon aus, Bibel und Bildung wären zwei getrennte Dinge. Wäre Gottes Wort Theorie für den Sonntag und den Religionsunterricht, Theorie, die sich im rauhen Schulbetrieb während der Woche nicht bewährt, dann wäre biblischer Unterricht tatsächlich schädlich für die Schüler. Zum Schluss nun sollen auch die äußerlichen Dinge erwähnt werden, die sich als Folge der bisher betrachteten grundlegenden Merkmale zeigen. So wird es die regelmäßige Andacht geben, das Gebet im Unterricht und christliche Lieder, neben vielen anderen. An den meisten Bekenntnisschulen ist es so, dass Singen und Musizieren einen breiten Raum einnehmen. Dem Besucher wird auffallen, dass der Schulbetrieb in geordneten Bahnen und in einer fröhlichen Atmosphäre verläuft. Und ihm wird auffallen, dass auch in ganz normalen Fächern Rückbezüge zur Bibel gemacht werden. Sonst wird er sehen, dass es Kinder sind, die ebenso mit Sünde und mit Schwächen kämpfen müssen, wie alle anderen auch und die darum Jesus als ihren Herrn und Erlöser nötig haben.
|