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Bildungs- und Erziehungskonzept
1. Vorwort
Eine freie christliche Bekenntnisschule wie die August-Hermann-Francke-Schule (AHFS) ist die freie Schule christlicher Eltern. Eltern und Schule sind weder kirchlich noch "christlich" im weitläufigen Sinne, sondern christliche Eltern vertrauen der Bibel mehr als den "theologischen" Kritikern der Bibel. Sie haben durch Jesus Christus Vergebung ihrer Schuld und neues ewiges Leben empfangen und führen seitdem ein Leben im Vertrauen zu ihm. Jesus Christus hat ihrer Existenz Sinn gegeben und ist das Ziel ihres Lebens geworden. Sie wissen, dass Jesus ihr Erlöser ist und dass sie durch seinen Tod mit Gott, dem Vater und Schöpfer der Welt, versöhnt sind.
Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Johannes 3, 16.
Viele dieser Eltern suchen für ihre Kinder eine biblisch begründete Erziehung und eine christliche Bildung, die nicht, wie in den üblichen Konzeptionen der Persönlichkeitsbildung, auf den rein menschlichen und zeitlichen Horizont begrenzt ist. Sie wollen ihre Kinder auch nicht unter die Verfügung esoterischer (d.h. auf okkulter Erkenntnis beruhender) oder säkularwissenschaftlicher (d.h. allein auf menschliche Vernunft gegründeter) Erziehungskonzeptionen stellen. Sie verlangen den Aufbau eines christlichen Schulwesens auf biblischer Grundlage, weil keine existierende Schule in Hamburg diese zentrale Aufgabe für sie erfüllen kann.
2. Grundlagen der Pädagogik
2.1 Erziehungsauftrag der Bibel
Nach der Bibel ist es in erster Linie Aufgabe der Eltern, ihre Kinder zu lehren, zu erziehen und für ein christliches Leben zu unterweisen. Erziehung und Bildung sollen in der Verantwortung vor Gott erfolgen, denn Kinder sind Gottes Eigentum. Es ist nicht unbedenklich zulässig, sie in fremde Hände zu geben, also "dem Kaiser zu geben, was Gottes ist" (nach Matthäus 22,21).
Gottes Erziehungsauftrag lautet: "Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen und sollst sie deinen Kindern einschärfen" (5. Mose 6,6-7) und "erzieht sie (eure Kinder) in der Zucht (heute "Erziehung") und Ermahnung (heute "Bildung") des Herrn" (Epheser 6,4).
Die Schule in einem christlichen Erziehungs- und Bildungswesen erzieht in erster Linie im Auftrag der Eltern. Sie übernimmt Aufgaben, die die Eltern aufgrund staatlicher Gesetzgebung oder aus persönlichen Gründen nicht wahrnehmen können. Die Schulaufsicht lag bis zum Anfang unseres Jahrhunderts bei der Kirche. In der heutigen pluralistischen Gesellschaft soll die staatliche Schule allen Religionen und Weltanschauungen gerecht werden, sie orientiert sich folglich am Geist der Zeit und kann biblische Normen nicht gelten lassen. Christliche Eltern finden heute keine Schule, die ihnen helfen könnte, ihrer Erziehungsverantwortung vor Gott gerecht zu werden. Darum wollen sie selbst, im Rahmen der gesetzlichen und finanziellen Möglichkeiten, geeignete Schulen gründen und betreiben.
2.2 Das biblische Menschenbild
Gott hat den Menschen, im Gegensatz zu allen anderen Lebewesen, nach seinem eigenen Bilde und zur Gemeinschaft mit Gott selbst geschaffen. Damit gab er dem Menschen seine einmalige Würde, seine Identität und seine Bestimmung, aber auch seine Freiheit, die Gemeinschaft mit dem Schöpfer aufzugeben, um sich ohne Rücksicht auf Gott der Befriedigung seiner eigenen, eben menschlichen Wünsche zu widmen. Seit dem Sündenfall ist kein Mensch mehr gut und frei, sondern in Feindschaft zu Gott und erlösungsbedürftig. Allein Jesus Christus kann ihn aus der Macht des Bösen befreien und mit Gott versöhnen. Der durch Jesus Christus erlöste Mensch unterstellt sich gern dem Geist und Willen Gottes und erfährt in seinem Leben mit Jesus Lebensglück und Lebenserfüllung.
Auch der durch Jesus Christus erlöste Mensch sündigt und macht Fehler. Wenn er aber seine Sünden bekennt, so ist sein Vater im Himmel "treu und gerecht, dass er (ihm) die Sünden vergibt und (ihn) reinigt von aller Ungerechtigkeit" (1. Johannes 1,9).
Menschen ohne Bibel übergehen den Sündenfall, leugnen ihre Sünde und verneinen die Erlösungsbedürftigkeit des Menschen. Da sie das Vorhandensein menschlicher Mängel nicht leugnen können, führen sie die Mängel auf äußere Einflüsse zurück, z.B. auf eine noch nicht abgeschlossene Entwicklung, auf gesellschaftliche Bedingungen, auf Mangel an Zuwendung, Information oder pädagogischem Geschick.
2.3 Biblische Erziehungsgrundlagen: Glaube, Hoffnung, Liebe
Lernen setzt voraus, dass der Lernende dem Lehrenden vertrauen will und kann (biblisch: "Glaube"). Der Lehrer erwirbt das Vertrauen der Schüler durch Zuverlässigkeit in Tun und Reden, durch Wahrhaftigkeit und durch für den Schüler fassbare Regeln und Forderungen. Der Schüler muss erst einmal lernen, einer Vertrauensperson zu vertrauen, bevor er anschIießend lernt, sich auch vor einem eventuellen Vertrauensmissbrauch zu schützen. Lernen ist auf Zukunftserwartung (biblisch: "Hoffnung") gerichtet. Wir gehen davon aus, dass der Herr der Welt für jeden Schüler ein zielorientiertes Leben in dieser Welt vorgesehen hat, das sich in der nächsten Welt, in der Herrlichkeit Gottes, fortsetzen wird. Weil wir Gottes Weg dahin aus der Bibel kennen und weil es kein Menschenleben ohne Zukunft gibt, also keine hoffnungslosen Fälle, lehren wir die Schüler, diesen Weg zu finden und mit Zuversicht zu gehen.
Lernen bedarf der intensiven persönlichen Fürsorge (biblisch: "Liebe"), damit der Schüler durch das Lernen auch tatsächlich Wachstum und Bildung erfährt. Der Lehrer liebt jeden Schüler unabhängig von dessen Liebenswürdigkeit, weil auch Gott jeden Lehrer und jeden Schüler gleichermaßen liebt. Liebe ist die größte der drei lebens- und sinnstiftenden Grundlagen christlicher Erziehung.
2.4 Christliche Erzieher als Vorbilder
Ein Erzieher, der die Liebe Gottes erfahren und Gottes Vergebung angenommen hat, bekommt eine grundlegend neue und barmherzige Einstellung zum Bekennen und Vergeben von Schuld. Er kann Sünde, auch die eigene, beim Namen nennen. Er wird ein Vermittler der Gnade Gottes, indem er erkennen lässt, wie er von dieser Gnade lebt.
Der gläubige Erzieher bewirkt darüber hinaus bei seinen Schülern, dass sie sein auf Gott ausgerichtetes Leben als sinnerfüllt erkennen und aus eigenem Antrieb seinem Vorbild folgen. Wir erwarten nicht, dass der Lehrer sich den Schülern gegenüber unter allen Umständen als perfekt erweisen wird. Aber der gläubige Erzieher wird erst recht zum Vorbild seiner Schüler, wenn er sein Versagen eingesteht und vergeben lässt.
2.5 Bildung für ein christliches Leben
Bildung soll die Grundlagen dafür herstellen, dass Menschen in Familie, Beruf und Gesellschaft ihr ganzes Leben der Würde und Berufung des Menschen entsprechend führen können. Bildung beeinflusst alle Teilbereiche der Lebensführung, also Lebensfähigkeit, Lebensunterhalt, Lebensgestaltung, Lebensfreude und LebenserfüIIung. Die Gestaltung eines Lebens nach Gottes Plan ist das wichtigste Bildungsziel, "in Christus zu leben" ist das Ziel christlichen Lebens oder das "christliche Berufsziel". Biblisch begründete christliche Bildung ist die "BerufsausbiIdung" dafür. Entsprechend dem zentralen Gebot der NächstenIiebe (Galater 5,14) werden Menschen damit auch befähigt, im Denken und Handeln Toleranz und solidarische Mitmenschlichkeit zu üben.
2.6 Die unabhängige Position der August-Hermann-Francke-Schule (AHFS)
Die AHFS ist frei, das heißt nicht abhängig von einer Kirche oder einer gesellschaftlichen Gruppierung. Die AHFS ist christlich, das heißt nicht abhängig von bestimmten herrschenden "Theologien" an den Hochschulen und von Sonderlehren bestimmter Kirchen oder Gemeinden (s. Anmerkung 1.).
Anmerkung 1. Ein passender Begriff für die unabhängige Position der AHFS wäre "interdenominationell" . Mitglieder und Mitarbeiter gehören zu unterschiedlichen evangelischen Kirchen, sie vertreten die Hauptaussagen einer konservativ-evangelikalen Theologie, jedoch keine Lehren einzelner Denominationen. Beispiele von Sonderlehren, die mit der Position der AHFS nicht vereinbar wären: Die Einschränkung der Beteiligung von Frauen oder "Laien" in der Schule, Ritualismus hinsichtlich der Formen von Veranstaltungen, die Betonung besonderer Gebote hinsichtlich Kleidung und Bräuchen, die Betonung der Glossolalie als Kennzeichen der Erfüllung mit dem Heiligen Geist und die generelle Verurteilung der Glossolalie als Kennzeichen für den "Geist von unten", die Betonung der Taufwiedergeburt und die generelle Verurteilung anderer Taufformen, die Lehre von der Auslöschung der sündigen Natur des Menschen, die Lehre von der Allversöhnung.
Aber die AHFS ist und bleibt abhängig von Gottes Wort, der ganzen Heiligen Schrift. Die Bibel ist an der AHFS für jeden Unterricht und für das ganze Schulleben der entscheidende Maßstab für Erziehung, Bildung und wissenschaftliche Arbeit. Gegründet auf und gebunden an die Bibel will die AHFS christliche Positionen offensiv vertreten und mit neuzeitlichen Ideologien vergleichen. Die Beschäftigung mit dem biblischen Menschenbild soll Schüler und Lehrer zur offenen Auseinandersetzung mit den Motiven und Grenzen menschlichen Denkens, Empfindens und Handelns befähigen. Das biblische Verständnis von Gott und der Welt fördert die Entfaltung des Denkens durch unvoreingenommenes Forschen und verhindert ideologisch oder materialistisch begründete Vorentscheidungen bei der wissenschaftlichen Arbeit. Die Bindung an Gottes Wort begründet den Konsens über allgemeine ethische Werte wie z. B: Gerechtigkeit, Menschenwürde, Frieden, sowie die Achtung vor der von Gott geschaffenen Natur, aber auch über charakterliche Werte wie Ausdauer, Arbeitsfleiß, Freundlichkeit und Wahrheitsliebe. Mit dem Glauben an den Gott der Bibel (im Unterschied zu dem Gott, den sich Menschen selbst "malen" oder "projizieren") bietet die AHFS jungen Menschen die Möglichkeit, die nach Gottes Vorstellungen richtige Lebensführung kennen zu lernen, einzuüben und richtungweisende und verantwortungsbewusste Menschen zu werden.
3. Erziehungsziele der August-Hermann-Francke-Schule
3.1 Schüler erkennen ihr Leben als von Gott gestellte Aufgabe
Kein Mensch hat von sich aus die Kraft, sein Leben so zu gestalten, dass er das Ergebnis seines Lebens vor Gott verantworten könnte. Wir müssen einräumen: "Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht" (Römer 7,18). Gott richtet an die zur Lebensbewältigung unfähigen Menschen das Angebot der Erlösung zum ewigen Leben in Jesus Christus: "Der Sünde Sold ist der Tod; die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserem Herrn" (Römer 6,23). Den erlösten Menschen befähigt Gott durch den Heiligen Geist zur Lebensbewältigung. Er erfährt: "Denn meine (Gottes) Kraft ist in den Schwachen mächtig" (2.Korinther 12,9).
3.2 Schüler orientieren sich an Gottes Maßstäben
Biblisch begründeter Unterricht macht den Schülern klar, dass jeder Mensch für sich die Abhängigkeit von Gottes Ansicht und Urteil akzeptieren und lernen muss, sein Leben nach Gottes einzig objektivem Maßstab zu betrachten. Seinen Wertmaßstab hat Gott in der Heiligen Schrift, der Bibel, mit seiner eigenen Autorität festgelegt. Ohne Gottes Maßstab wäre alles gleich gültig und damit gleichgültig. Dazu hat er anhand von Lebensbildern aus vieler Generationen das natürliche Unvermögen der Menschen aufgezeigt, Gottes Gebote zu erfüIlen. SchIießlich hat Gott den Weg der Erlösung durch Jesus Christus dargestellt und damit jeden Menschen über Gottes vollständigen Heilsplan informiert.
3.3 Schüler erfahren Vergebung und Erlösung
Menschen können manchen Schaden wieder gutmachen, aber ihre Schuld vor Gott ist durch gute Werke nicht auszugleichen. Wir wollen auch nicht viel Mühe darauf verwenden, Schuld psychologisch zu erklären, zu entschuldigen, durch gute Werke auszugleichen oder auf andere Stellen abzuwälzen; wir bevorzugen den Weg, "zuerst den Balken aus dem eigenen Auge zu ziehen" (Matthäus 7,5) und dann einander zu vergeben. Wir haben eingesehen, dass wir selbst dann schuldig werden, wenn "wir nur das Gute gewollt haben"; und wir vertrauen darauf, dass die vor Gott und Menschen bekannte Schuld vergeben und vergessen ist. Von Menschen, die grenzenlose Vergebung erfahren haben, erwarten wir, dass sie auch grenzenlos vergeben. Wir erleben, dass Jesus nicht nur unsere Schuld vergibt, sondern uns auch von der Macht der Sünde befreit.
3.4 Schüler übereignen ihr Leben an Jesus Christus
Jesus erlöst Menschen von der Knechtschaft der Sünde, um dann selbst in ihrem Leben die Herrschaft zu übernehmen. Mit dem Eigentümerwechsel findet ein Machtwechsel statt. Christen unterstellen sich Gottes Willen in allen Dingen, und "er gibt ihnen die Macht, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben"
(Johannes 1,12). Ihr Leben wird von Gott mit Lebenssinn und Lebensfrucht gefüllt. Entscheidend für das Ergebnis des Lebens sind nicht die Fähigkeiten und die Lebensumstände, sondern die Treue zum Herrn des Lebens.
"Wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird's finden" (Matthäus 16,25). Wenn die Schüler diese Zusammenhänge bei ihren Vorbildern/Lehrern bestätigt finden, werden sie weniger anfällig sein für die Illusion der Lebenserfüllung durch Selbstverwirklichung. Bis hierher geht es um die personalen Erziehungsziele für die Beziehung zu Gott und Menschen. "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst" (Lukas 10,27).
3.5 Schüler setzen sich mit Weltanschauungen und Ideologien geistlich auseinander
Die Beurteilung kultureller Leistungen erfolgt bei uns auf der Grundlage der Bibel. Sie ist die entscheidende Autorität in allen Fragen der Bildung und Erziehung. Sie ist in allen Unterrichtsbereichen (nicht nur im biblischen Unterricht) der Maßstab für die kritische Auseinandersetzung mit den historischen und herrschenden Theorien und Ideologien.
Die Schüler werden vertraut gemacht mit der grundsätzlichen Begrenztheit der wissenschaftlichen Methode und erkennen die atheistische Vorentscheidung, die der Konzeption der heutigen Wissenschaften überwiegend in der Lehre und z.T. auch in der Forschung immer noch zugrundeliegt. Die Werke der abendländischen Kultur werden nach literarischen, philosophischen und künstlerischen Maßstäben, darüber hinaus auch hinsichtlich der geistlichen Wurzeln der Urheber betrachtet, um die unterschiedlichen "Geister der Propheten an ihren Früchten zu erkennen" (nach Matthäus 7,15-16) und beschreiben zu lernen.
3.6 Schüler machen sichere Schritte in ein erfülltes Leben
Wer "zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit trachtet" (Matthäus 6,33), d.h. wer Gottes Willen Vorrang einräumt gegenüber dem Eigenwillen, wird nicht nur leistungswillig, sondern auch leistungsfähig, "denn Gott ist es, der in (ihm) beides wirkt, das Wollen und das VolIbringen, nach seinem WohIgefallen" (PhiIipper 2,13).
Ein solcher Mensch lebt in der Furcht und in der Kraft Gottes, d.h. in der Übereinstimmung von Glauben, Denken und Handeln und dadurch zielgerecht, furchtlos und geborgen. Sein Leben ist gekennzeichnet von "Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit" (geistliche Frucht gemäß Galater 5,22), von bleibendem Nutzen für andere und von tiefer Freude für sein eigenes Leben.
3.7 Schüler werden als ganze Persönlichkeiten, d.h. geistlich, intellektuell, praktisch, musisch, körperlich und charakterlich gebildet
Es geht der Schule darum, die in jedem Menschen einzigartig von Gott angelegten Fähigkeiten und Fertigkeiten zu entwickeln "zum vollendeten Mann, zum vollen Maß der Fülle Christi" (Epheser 4, 13). Insgesamt hat die geistliche und charakterliche Bildung Vorrang gegenüber anderen Bildungsbereichen. Gleichwohl soll das Niveau auf intellektuellem Gebiet mindestens dem der Staatsschulen gleich sein.
Der ganze Mensch aus Geist, Seele und Leib soll das im Bauplan seines Schöpfers vorgesehene Format und Profil einer Persönlichkeit (biblisch: "Bild Gottes") erreichen, das für ein erfülltes Leben in der Kraft Gottes und im Dienst Gottes nötig ist. Entscheidend ist nicht die Größe einer Persönlichkeit, sondern ihre Übereinstimmung mit dem Plan Gottes. Wir gehen von dem in der Praxis bewährten christlichen Gebot aus, dass im Glauben an Jesus Christus auch stark gegensätzliche Persönlichkeiten "einander annehmen, wie Christus (sie) angenommen hat zu Gottes Lob" (Römer 15,7).
- Geistliche und charakterliche Bildung orientieren sich an dem für alle Menschen im Wesentlichen gleichen, in der Bibel vorgegebenen Weg (biblisch: "ohne Ansehen der Person"). In der Schule soll die Gemeinschaft vom Geist Jesu bestimmt sein. Lieben wie er, vergeben wie er, das Böse mit Gutem überwinden wie er, im Geiste wandeln wie er, beten, segnen und helfen wie er, demütig und gehorsam sein wie er, treu und wahrhaftig sein wie er, das sind die Ziele charakterlicher Bildung.
- Intellektuelle, praktische und musische Bildung demgegenüber richten sich stärker nach den Begabungen des Einzelnen. Bei aller Begrenztheit der möglichen persönlichen Zuwendung und der Möglichkeiten zu individueller Förderung sollen Gaben jedes Einzelnen sorgfältig ermittelt und angemessen gefördert werden. Wir erstreben eine deutliche Differenzierung, betonen aber dabei die Gleichwertigkeit und die gegenseitige "Höherachtung" für mehr intellektuelle oder mehr praktische BiIdungsinhalte. Leistung wird gefordert und beurteilt, aber geringere Leistung darf nicht zu geringerer Wertschätzung führen.
- Der Sportunterricht zielt auf die gesunde Entwicklung des Körpers ( = "der Tempel Gottes" 1. Korinther 3,16-17), auf Freude an der Bewegung, auf Körperbeherrschung und Selbstdisziplin des ganzen Menschen ("lauft so, dass ihr den unvergänglichen Siegespreis erlangt" 1.Korinther 9,23-27), nicht auf gesundheitsgefährdende Höchstleistungen.
- Die praktische Bildung dient der Erziehung zu verantwortungsvoller Handarbeit, dem pfleglichen Umgang mit Geräten und Material, der Anleitung zu Ausdauer, Reinlichkeit und Ordnung und der Ausbildung von handwerklichen Fertigkeiten für das tägliche Leben.
- Die musische Bildung soll gestalterische und darstellende Begabungen entwickeln. Die Schule soll dazu beitragen, dass durch ihren Unterricht in Kunst und Kultur wieder stärker christliche Vertreter und christliche Themen zu finden sind. Musik im Allgemeinen und geistliche Lieder zum Lob und zur Anbetung Gottes im Besonderen lernen die Schüler als Ausdruck ihres Glaubens und ihrer Freude, zum Trost in schwierigen Lebenslagen und als Mittel, sich und anderen damit eine Freude zu bereiten.
- Die geistliche Bildung dient der Erziehung zum Glauben an Jesus Christus, Gottes Sohn und zum christlichen Leben in der Gemeinschaft des Heiligen Geistes. Die Schule will und kann dazu Anregung und Hilfestellung geben, denn sie ist verantwortlich dafür, Gottes Heil in Jesus Christus mit Liebe und Entschiedenheit anzubieten. Sie kann jedoch keinen christlichen Glauben als Erfolg ihrer Erziehungsmaßnahmen garantieren, aber sie wird auf dieses Ziel ohne Druck hinarbeiten.
3.8 Schüler werden im Namen der Eltern erzogen
Die Eltern haben den Lehrern erzieherische Pflichten und Rechte im Rahmen der angeführten Erziehungsgrundsätze für den schulischen Bereich übertragen. Die Verbindung zwischen Schule und Familie bedeutet einerseits eine ständige Information der Eltern über das Schulgeschehen als Elternrecht, aber andererseits auch eine Verpflichtung der Eltern zu aktiver Zusammenarbeit mit Lehrern und Schulgremien.
4. Die Bedeutung der Bibel für den Unterricht
4.1 Beispiel: Deutschunterricht
Das Ziel einer an der Bibel ausgerichteten Erziehung kann für den Deutschunterricht nur erreicht werden, wenn die Schüler die Bibel und die deutsche Literatur gleichermaßen auf dem Hintergrund ihrer spezifischen Begriffsinhalte und Denkvoraussetzungen und auf der Grundlage ihres Selbstverständnisses kennen lernen. So bedeuten beispielsweise "Glauben, Hoffen, Lieben" in der Bibel eben nicht "Nichtwissen, Zukunftswunsch und von Reizen ausgelöste Zuneigung" sondern "personale Loyalität, sichere Zukunftserwartung und unbedingte willentliche Zuwendung". Die Schüler sollen den zeitbedingten Einfluss der Sprache auf das Denken erkennen und die Verführungskraft von Formulierungen, die das Wort Gottes als von vornherein überholt erscheinen lassen wollen.
Selbst bibelfeste Christen haben ihr Denken und Leben auf biblischer Basis in den letzten 250 Jahren mit zunehmender Tendenz so weit verfallen lassen, dass sie sich über die Sprache zunächst dem Denken des humanistischen Bildungsbürgers und schließlich dem Denken des weitgehend auf kurzfristige Bedürfnisbefriedigung ausgerichteten Anspruchstellers angepasst haben. Wer sich, als Christ, allein durch populäre Begriffe aus der Literatur und den Medien in seinem Denken bestimmen lässt, nimmt zunächst kaum wahr, wie die biblischen Grundlagen seines Denkens laufend ausgehöhlt werden. In der nächsten Krise aber, wenn er die Unverträglichkeit von biblischer und zeitgemäßer Denkweise bemerkt, wird er sich häufig aus Unwissenheit "zur Erhaltung seiner intellektuellen Redlichkeit" in die Bibelkritik flüchten. Demgegenüber betrachten wir die Normen und Werte aus der klassischen und modernen Literatur unter Berücksichtigung ihres historischen Hintergrundes und setzen uns mit den Differenzen von beiden Seiten her auseinander, wenn sie mit den biblischen Ordnungen nicht im Einklang stehen.
4.2 Beispiel: Schöpfung und Evolution
Die Bibel informiert über den Urheber der Schöpfung und der Schöpfungsgesetze, sie führt die Entstehung und den Bestand der Welt und des Lebens auf die persönliche Entscheidung des ewigen Gottes zurück. Die Evolutionstheorie bemüht sich, den Ursprung der Welt ohne einen personalen Schöpfer zu erklären. Sie führt die "Selbstentstehung des Lebens" auf einfache, durch Zufall hervorgerufene, chemische Reaktionen über sehr lange Zeiträume zurück. Beide Modelle können ihre Vorstellungen über die Wirkungszusammenhänge im naturwissenschaftlichen Sinne weder beweisen noch widerlegen, weil sich die Deutung der beobachteten Erscheinungen dem wissenschaftlichen Zugriff entzieht. Der Wunsch nach menschlicher Autonomie, im Sinne einer Abschaffung der Verantwortung vor Gott, ist u. E. eine wesentliche Ursache des Evolutionsgedankens. Der Darwinismus kann seinen Anspruch der Welterklärung ohne Schöpfung nur unter den eigenen Voraussetzungen durchhalten. Die biblischen Aussagen über die Welt- und Lebensentstehurg sind weder widerlegt, noch stehen sie im Widerspruch zu gesicherten Erkenntnissen. Wir lehren das Evolutionskonzept und das Schöpfungskonzept mit ihren Hintergründen, wir bekennen uns zum biblischen Schöpfungsbericht. Wir verfolgen mit Interesse die aktuelle Auseinandersetzung der Fachleute auf diesem Gebiet.
4.3 Beispiel: Geschlechtererziehung
Nirgendwo sonst zeigt sich die Erziehung im Namen der Eltern deutlicher als in der Geschlechtererziehung. Dieser Bereich ist die originäre Aufgabe beider Elternteile, die Schule aber ist gern bereit, Jungen und Mädchen über alle Besonderheiten ihrer Geschlechtlichkeit behutsam, schrittweise und rechtzeitig durch den Lehrer als Vertrauensperson zu informieren. Der Schwerpunkt liegt auf den im praktischen Leben zu bewältigenden Situationen und Pubertätsproblemen und der Vorbereitung auf die Sexualität in der Ehe. Eine Aufforderung zum freien Gebrauch der Sexualität, verbunden mit technischer Sexualkunde, findet nicht statt. Der Klassenlehrer gibt zugleich persönlichen Rat und leistet seelsorgliche Hilfe bei Schwierigkeiten.
5. Unterschiede zu Staatsschulen und anderen Bekenntnisschulen
5.1 Die AHF-Schule orientiert sich an Gottes Führung
In jeder Klasse wird jeder Tag unter die Führung Gottes gestellt. Die tägliche Morgenandacht wird vom Klassenlehrer, möglichst unter Beteiligung von Schülern, gestaltet und umfasst die Bibelauslegung und das gemeinsame Singen und Beten.
5.2 Alle Mitarbeiter der Schule dienen Gott mit ihrer Arbeit
Als Christen, die auf der gemeinsamen Grundlage der Bibel in diese Aufgabe berufen sind, haben sich die Mitarbeiter den Zielen der Schule verpflichtet. Neben der fachlichen und menschlichen Qualifikation erfüllen sie die biblischen Voraussetzungen für Diakone (Apostelgeschichte 6,3 und 1. Timotheus 3,8-13). Die Heilige Schrift gibt ihnen Leitlinien, Maßstäbe und praktische Hilfen für die Erziehung und das Miteinanderleben, das durch Liebe, Rücksichtnahme, Geduld, Vertrauen und Vergebungsbereitschaft geprägt ist. Die Lehrer können Autorität ausüben, Vorbild sein, Grenzen setzen und Gehorsam fordern, weil und solange sie sich selbst in all diesen Dingen von Gott erziehen lassen.
5.3 Eltern und AHFS stehen hinter demselben Erziehungskonzept
Christliche Eltern und die freie christliche Schule haben gemeinsame Wertvorstellungen. Schüler, die an Jesus Christus gläubig geworden sind, werden daher in ihrem Glauben bestärkt. Sie sollen aber auch die sachliche Auseinandersetzung mit gegensätzlichen Ansichten von Nichtchristen lernen und ihre Überzeugungen vor sich selbst und anderen begründen können.
Die Lehrer betreiben keine schamverletzende Sexualkunde, keine Emanzipations- und Konfliktpädagogik gegen das Elternhaus, insbesondere keine Solidarisierung der Schüler für oder gegen Minderheiten. Im Gegenteil, die Lehrer erziehen im Einklang mit dem Elternwillen kraft der von den Eltern auf die Schule delegierten Autorität.
5.4 Die Schule gibt Antwort auf die Fragen des Lebens
Die Bibel stellt alle wichtigen Fragen und gibt Gottes Antworten auf alle wichtigen Fragen. Auf Jesus Christus kann man ein Leben bauen, das seine Standfestigkeit von ihm hat und nicht abhängig ist von historisch veränderlichen Weltbildern oder den schwankenden Wertempfindungen gesellschaftlicher Gruppen. Vor allem gibt die christliche Schule eine völlig neue Grundlage für das Selbstwertgefühl (nicht: Weil du wertvoll bist, liebt dich Gott, sondern: Weil dich Gott liebt, bist du wertvoll (nach 5.Mose 7,7 und Jesaja 43,4).
5.5 Die Schule sucht nicht nach Schuldigen für das Unabänderliche
Wir beten um die Weisheit zu erkennen und zu ändern, was zu ändern ist. Bei allem Wissen um die Missstände und das Elend in der Welt konzentrieren wir unseren Blick vor allem aber darauf, wo unsere eigene Schuld zur Ursache von Problemen wird und danken Gott jeden Tag, dass er Geduld mit uns hat und uns nicht unverzüglich nach unseren Werken richtet.
5.6 Das Lernen macht Freude
Christen haben eine in der Bibel verbriefte gute Zukunft, das gibt dem Lehren und Lernen seinen Sinn. Diese Zuversicht soll sich von den Lehrern auf die Schüler übertragen. Die Lehrer beten für die Schüler, wir reden miteinander freundlich und bestimmt, wir arbeiten mit Ausdauer und Konzentration. Das macht Freude, weil wir wissen, wozu die Mühe gut ist.
5.7 Die AHFS ist Schule im Sinne der christlichen Väter
Martin Luther wollte christliche Eltern als Träger christlicher Schulen, damit das Wort Gottes jedermann zugänglich gemacht wird. August Hermann Francke führte die pietistische Pädagogik ein, damit sittliches und religiöses Leben für die Zukunft gesichert wird. Auf Francke geht die Ausrichtung aller Bildung und Erziehung auf die Heilige Schrift zurück. Er sah die eigentliche Aufgabe christlicher Erziehung in der grundsätzlichen Orientierung der Kinder auf Gott hin. Von Francke haben wir zahlreiche Anregungen übernommen (Geborgenheit, Vertrauen, Selbständigkeit, Anschaulichkeit, Vorbild, usw.).
Francke hat sich, ebenso wenig wie wir, den Entwicklungen und Problemen der Zeit verschlossen, aber er vertraute und wir vertrauen darauf, dass begabte und fachlich gut ausgebildete, von Gott berufene gläubige Lehrer mit der Hilfe des Heiligen Geistes für unsere Kinder die besten Pädagogen sind.
5.8 Unterschiede zu bestehenden Bekenntnisschulen in Hamburg
Bekenntnisschulen mit kirchlicher Abhängigkeit gehen von der Annahme aus, dass ein in früher Kindheit getaufter Schüler Christ sei, der dieses Christsein durch die Konfirmation nur zu bestätigen brauche. An der AHFS wird, bei aller Respektierung der Kindertaufe, gelehrt, dass ein Mensch Christ wird, wenn er selbst Gottes Heilsangebot im Glauben an Jesus Christus annimmt und ihm sein Leben übereignet. Von den Lehrern wird ein Leben unter der Herrschaft Gottes erwartet, den Schülern wird angeboten, Christen zu werden.
6. Praktischer Ausblick
Die in diesem Erziehungskonzept beschriebenen Ziele, Methoden und Formen werden einige bisher übliche Konzepte ersetzen, aber sie werden auch durch bewährte Konzepte der gewachsenen staatlichen Schule ergänzt werden. Wir wollen nicht um jeden Preis neue Formen finden. Freilich wissen wir auch von uns aus nicht immer sicher zu entscheiden, welche Formen für den einzelnen Schüler in der speziellen Situation angemessen sind. Aber: Wir sind keineswegs ratlos, wir können Gott um jeden erzieherischen Rat fragen (biblisch: "um Weisheit bitten", nach Jakobus 1,5 und "er will uns mit seinen Augen leiten", nach Psalm 32,8). Seine persönliche Führung wird er nicht nur auf jeden einzelnen Schüler, sondern auch auf jeden einzelnen Lehrer abstimmen. Bis zum Ende der Grundschule geht es, neben den elementaren Kulturtechniken, vor allem um Geborgenheit, Wertorientierung, Arbeitsfreude/Ausdauer, Probieren/Nachahmen und Wachstum in geschützter Umgebung. Später verlagert sich der Schwerpunkt auf Sachwissen und selbständiges Arbeiten, auf Urteilsfähigkeit und die Auseinandersetzung mit der Realität dieser Welt und all ihren Herausforderungen und Schwierigkeiten.
Der Schulträger wird das Erziehungskonzept in Zusammenarbeit mit den christlichen Eltern zukünftiger Schüler unter der Kontrolle des Wortes Gottes weiterentwickeln. Das Wagnis, dass christliche Eltern eine freie christliche Schule auf biblischer Grundlage betreiben, ist nur möglich im Vertrauen auf unseren Herrn Jesus Christus und seinen Segen, weil er uns den Auftrag dazu gegeben hat.
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1. Vorwort
Eine freie christliche Bekenntnisschule wie die August-Hermann-Francke-Schule (AHFS) ist die freie Schule christlicher Eltern. Eltern und Schule sind weder kirchlich noch "christlich" im weitläufigen Sinne, sondern christliche Eltern vertrauen der Bibel mehr als den "theologischen" Kritikern der Bibel. Sie haben durch Jesus Christus Vergebung ihrer Schuld und neues ewiges Leben empfangen und führen seitdem ein Leben im Vertrauen zu ihm. Jesus Christus hat ihrer Existenz Sinn gegeben und ist das Ziel ihres Lebens geworden. Sie wissen, dass Jesus ihr Erlöser ist und dass sie durch seinen Tod mit Gott, dem Vater und Schöpfer der Welt, versöhnt sind.
Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Johannes 3, 16.
Viele dieser Eltern suchen für ihre Kinder eine biblisch begründete Erziehung und eine christliche Bildung, die nicht, wie in den üblichen Konzeptionen der Persönlichkeitsbildung, auf den rein menschlichen und zeitlichen Horizont begrenzt ist. Sie wollen ihre Kinder auch nicht unter die Verfügung esoterischer (d.h. auf okkulter Erkenntnis beruhender) oder säkularwissenschaftlicher (d.h. allein auf menschliche Vernunft gegründeter) Erziehungskonzeptionen stellen. Sie verlangen den Aufbau eines christlichen Schulwesens auf biblischer Grundlage, weil keine existierende Schule in Hamburg diese zentrale Aufgabe für sie erfüllen kann.
2. Grundlagen der Pädagogik
2.1 Erziehungsauftrag der Bibel
Nach der Bibel ist es in erster Linie Aufgabe der Eltern, ihre Kinder zu lehren, zu erziehen und für ein christliches Leben zu unterweisen. Erziehung und Bildung sollen in der Verantwortung vor Gott erfolgen, denn Kinder sind Gottes Eigentum. Es ist nicht unbedenklich zulässig, sie in fremde Hände zu geben, also "dem Kaiser zu geben, was Gottes ist" (nach Matthäus 22,21).
Gottes Erziehungsauftrag lautet: "Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen und sollst sie deinen Kindern einschärfen" (5. Mose 6,6-7) und "Erzieht sie (eure Kinder) in der Zucht (heute "Erziehung") und Ermahnung (heute "Bildung") des Herrn" (Epheser 6,4).
Die Schule in einem christlichen Erziehungs- und Bildungswesen erzieht in erster Linie im Auftrag der Eltern. Sie übernimmt Aufgaben, die die Eltern aufgrund staatlicher Gesetzgebung oder aus persönlichen Gründen nicht wahrnehmen können. Die Schulaufsicht lag bis zum Anfang unseres Jahrhunderts bei der Kirche. In der heutigen pluralistischen Gesellschaft soll die staatliche Schule allen Religionen und Weltanschauungen gerecht werden, sie orientiert sich folglich am Geist der Zeit und kann biblische Normen nicht gelten lassen. Christliche Eltern finden heute keine Schule, die ihnen helfen könnte, ihrer Erziehungsverantwortung vor Gott gerecht zu werden. Darum wollen sie selbst, im Rahmen der gesetzlichen und finanziellen Möglichkeiten, geeignete Schulen gründen und betreiben.
2.2 Das biblische Menschenbild
Gott hat den Menschen, im Gegensatz zu allen anderen Lebewesen, nach seinem eigenen Bilde und zur Gemeinschaft mit Gott selbst geschaffen. Damit gab er dem Menschen seine einmalige Würde, seine Identität und seine Bestimmung, aber auch seine Freiheit, die Gemeinschaft mit dem Schöpfer aufzugeben, um sich ohne Rücksicht auf Gott der Befriedigung seiner eigenen, eben menschlichen Wünsche zu widmen. Seit dem Sündenfall ist kein Mensch mehr gut und frei, sondern in Feindschaft zu Gott und erlösungsbedürftig. Allein Jesus Christus kann ihn aus der Macht des Bösen befreien und mit Gott versöhnen. Der durch Jesus Christus erlöste Mensch unterstellt sich gern dem Geist und Willen Gottes und erfährt in seinem Leben mit Jesus Lebensglück und Lebenserfüllung.
Auch der durch Jesus Christus erlöste Mensch sündigt und macht Fehler. Wenn er aber seine Sünden bekennt, so ist sein Vater im Himmel "treu und gerecht, dass er (ihm) die Sünden vergibt und (ihn) reinigt von aller Ungerechtigkeit" (1. Johannes 1,9).
Menschen ohne Bibel übergehen den Sündenfall, leugnen ihre Sünde und verneinen die Erlösungsbedürftigkeit des Menschen. Da sie das Vorhandensein menschlicher Mängel nicht leugnen können, führen sie die Mängel auf äußere Einflüsse zurück, z.B. auf eine noch nicht abgeschlossene Entwicklung, auf gesellschaftliche Bedingungen, auf Mangel an Zuwendung, Information oder pädagogischem Geschick.
2.3 Biblische Erziehungsgrundlagen: Glaube, Hoffnung, Liebe
Lernen setzt voraus, dass der Lernende dem Lehrenden vertrauen will und kann (biblisch: "Glaube"). Der Lehrer erwirbt das Vertrauen der Schüler durch Zuverlässigkeit in Tun und Reden, durch Wahrhaftigkeit und durch für den Schüler fassbare Regeln und Forderungen. Der Schüler muss erst einmal lernen, einer Vertrauensperson zu vertrauen, bevor er anschIießend lernt, sich auch vor einem eventuellen Vertrauensmissbrauch zu schützen. Lernen ist auf Zukunftserwartung (biblisch: "Hoffnung") gerichtet. Wir gehen davon aus, dass der Herr der Welt für jeden Schüler ein zielorientiertes Leben in dieser Welt vorgesehen hat, das sich in der nächsten Welt, in der Herrlichkeit Gottes, fortsetzen wird. Weil wir Gottes Weg dahin aus der Bibel kennen und weil es kein Menschenleben ohne Zukunft gibt, also keine hoffnungslosen Fälle, lehren wir die Schüler, diesen Weg zu finden und mit Zuversicht zu gehen.
Lernen bedarf der intensiven persönlichen Fürsorge (biblisch: "Liebe"), damit der Schüler durch das Lernen auch tatsächlich Wachstum und Bildung erfährt. Der Lehrer liebt jeden Schüler unabhängig von dessen Liebenswürdigkeit, weil auch Gott jeden Lehrer und jeden Schüler gleichermaßen liebt. Liebe ist die größte der drei lebens- und sinnstiftenden Grundlagen christlicher Erziehung.
2.4 Christliche Erzieher als Vorbilder
Ein Erzieher, der die Liebe Gottes erfahren und Gottes Vergebung angenommen hat, bekommt eine grundlegend neue und barmherzige Einstellung zum Bekennen und Vergeben von Schuld. Er kann Sünde, auch die eigene, beim Namen nennen. Er wird ein Vermittler der Gnade Gottes, indem er erkennen lässt, wie er von dieser Gnade lebt.
Der gläubige Erzieher bewirkt darüber hinaus bei seinen Schülern, dass sie sein auf Gott ausgerichtetes Leben als sinnerfüllt erkennen und aus eigenem Antrieb seinem Vorbild folgen. Wir erwarten nicht, dass der Lehrer sich den Schülern gegenüber unter allen Umständen als perfekt erweisen wird. Aber der gläubige Erzieher wird erst recht zum Vorbild seiner Schüler, wenn er sein Versagen eingesteht und vergeben lässt.
2.5 Bildung für ein christliches Leben
Bildung soll die Grundlagen dafür herstellen, dass Menschen in Familie, Beruf und Gesellschaft ihr ganzes Leben der Würde und Berufung des Menschen entsprechend führen können. Bildung beeinflusst alle Teilbereiche der Lebensführung, also Lebensfähigkeit, Lebensunterhalt, Lebensgestaltung, Lebensfreude und LebenserfüIIung. Die Gestaltung eines Lebens nach Gottes Plan ist das wichtigste Bildungsziel, "in Christus zu leben" ist das Ziel christlichen Lebens oder das "christliche Berufsziel". Biblisch begründete christliche Bildung ist die "BerufsausbiIdung" dafür. Entsprechend dem zentralen Gebot der NächstenIiebe (Galater 5,14) werden Menschen damit auch befähigt, im Denken und Handeln Toleranz und solidarische Mitmenschlichkeit zu üben.
2.6 Die unabhängige Position der August-Hermann-Francke-Schule (AHFS)
Die AHFS ist frei, das heißt nicht abhängig von einer Kirche oder einer gesellschaftlichen Gruppierung. Die AHFS ist christlich, das heißt nicht abhängig von bestimmten herrschenden "Theologien" an den Hochschulen und von Sonderlehren bestimmter Kirchen oder Gemeinden (s. Anmerkung 1.).
Anmerkung 1. Ein passender Begriff für die unabhängige Position der AHFS wäre "interdenominationell" . Mitglieder und Mitarbeiter gehören zu unterschiedlichen evangelischen Kirchen, sie vertreten die Hauptaussagen einer konservativ-evangelikalen Theologie, jedoch keine Lehren einzelner Denominationen. Beispiele von Sonderlehren, die mit der Position der AHFS nicht vereinbar wären: Die Einschränkung der Beteiligung von Frauen oder "Laien" in der Schule, Ritualismus hinsichtlich der Formen von Veranstaltungen, die Betonung besonderer Gebote hinsichtlich Kleidung und Bräuchen, die Betonung der Glossolalie als Kennzeichen der Erfüllung mit dem Heiligen Geist und die generelle Verurteilung der Glossolalie als Kennzeichen für den "Geist von unten", die Betonung der Taufwiedergeburt und die generelle Verurteilung anderer Taufformen, die Lehre von der Auslöschung der sündigen Natur des Menschen, die Lehre von der Allversöhnung.
Aber die AHFS ist und bleibt abhängig von Gottes Wort, der ganzen Heiligen Schrift. Die Bibel ist an der AHFS für jeden Unterricht und für das ganze Schulleben der entscheidende Maßstab für Erziehung, Bildung und wissenschaftliche Arbeit. Gegründet auf und gebunden an die Bibel will die AHFS christliche Positionen offensiv vertreten und mit neuzeitlichen Ideologien vergleichen. Die Beschäftigung mit dem biblischen Menschenbild soll Schüler und Lehrer zur offenen Auseinandersetzung mit den Motiven und Grenzen menschlichen Denkens, Empfindens und Handelns befähigen. Das biblische Verständnis von Gott und der Welt fördert die Entfaltung des Denkens durch unvoreingenommenes Forschen und verhindert ideologisch oder materialistisch begründete Vorentscheidungen bei der wissenschaftlichen Arbeit.
Die Bindung an Gottes Wort begründet den Konsens über allgemeine ethische Werte wie z. B: Gerechtigkeit, Menschenwürde, Frieden, sowie die Achtung vor der von Gott geschaffenen Natur, aber auch über charakterliche Werte wie Ausdauer, Arbeitsfleiß, Freundlichkeit und Wahrheitsliebe. Mit dem Glauben an den Gott der Bibel (im Unterschied zu dem Gott, den sich Menschen selbst "malen" oder "projizieren") bietet die AHFS jungen Menschen die Möglichkeit, die nach Gottes Vorstellungen richtige Lebensführung kennen zu lernen, einzuüben und richtungweisende und verantwortungsbewusste Menschen zu werden.
3. Erziehungsziele der August-Hermann-Francke-Schule
3.1 Schüler erkennen ihr Leben als von Gott gestellte Aufgabe
Kein Mensch hat von sich aus die Kraft, sein Leben so zu gestalten, dass er das Ergebnis seines Lebens vor Gott verantworten könnte. Wir müssen einräumen: "Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht" (Römer 7,18). Gott richtet an die zur Lebensbewältigung unfähigen Menschen das Angebot der Erlösung zum ewigen Leben in Jesus Christus: "Der Sünde Sold ist der Tod; die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserem Herrn" (Römer 6,23). Den erlösten Menschen befähigt Gott durch den Heiligen Geist zur Lebensbewältigung. Er erfährt: "Denn meine (Gottes) Kraft ist in den Schwachen mächtig" (2.Korinther 12,9).
3.2 Schüler orientieren sich an Gottes Maßstäben
Biblisch begründeter Unterricht macht den Schülern klar, dass jeder Mensch für sich die Abhängigkeit von Gottes Ansicht und Urteil akzeptieren und lernen muss, sein Leben nach Gottes einzig objektivem Maßstab zu betrachten. Seinen Wertmaßstab hat Gott in der Heiligen Schrift, der Bibel, mit seiner eigenen Autorität festgelegt. Ohne Gottes Maßstab wäre alles gleich gültig und damit gleichgültig. Dazu hat er anhand von Lebensbildern aus vieler Generationen das natürliche Unvermögen der Menschen aufgezeigt, Gottes Gebote zu erfüIlen. SchIießlich hat Gott den Weg der Erlösung durch Jesus Christus dargestellt und damit jeden Menschen über Gottes vollständigen Heilsplan informiert.
3.3 Schüler erfahren Vergebung und Erlösung
Menschen können manchen Schaden wieder gutmachen, aber ihre Schuld vor Gott ist durch gute Werke nicht auszugleichen. Wir wollen auch nicht viel Mühe darauf verwenden, Schuld psychologisch zu erklären, zu entschuldigen, durch gute Werke auszugleichen oder auf andere Stellen abzuwälzen; wir bevorzugen den Weg, "zuerst den Balken aus dem eigenen Auge zu ziehen" (Matthäus 7,5) und dann einander zu vergeben. Wir haben eingesehen, dass wir selbst dann schuldig werden, wenn "wir nur das Gute gewollt haben"; und wir vertrauen darauf, dass die vor Gott und Menschen bekannte Schuld vergeben und vergessen ist. Von Menschen, die grenzenlose Vergebung erfahren haben, erwarten wir, dass sie auch grenzenlos vergeben. Wir erleben, dass Jesus nicht nur unsere Schuld vergibt, sondern uns auch von der Macht der Sünde befreit.
3.4 Schüler übereignen ihr Leben an Jesus Christus
Jesus erlöst Menschen von der Knechtschaft der Sünde, um dann selbst in ihrem Leben die Herrschaft zu übernehmen. Mit dem Eigentümerwechsel findet ein Machtwechsel statt. Christen unterstellen sich Gottes Willen in allen Dingen, und "er gibt ihnen die Macht, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben"
(Johannes 1,12). Ihr Leben wird von Gott mit Lebenssinn und Lebensfrucht gefüllt. Entscheidend für das Ergebnis des Lebens sind nicht die Fähigkeiten und die Lebensumstände, sondern die Treue zum Herrn des Lebens.
"Wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird's finden" (Matthäus 16,25). Wenn die Schüler diese Zusammenhänge bei ihren Vorbildern/Lehrern bestätigt finden, werden sie weniger anfällig sein für die Illusion der Lebenserfüllung durch Selbstverwirklichung. Bis hierher geht es um die personalen Erziehungsziele für die Beziehung zu Gott und Menschen. "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst" (Lukas 10,27).
3.5 Schüler setzen sich mit Weltanschauungen und Ideologien geistlich auseinander
Die Beurteilung kultureller Leistungen erfolgt bei uns auf der Grundlage der Bibel. Sie ist die entscheidende Autorität in allen Fragen der Bildung und Erziehung. Sie ist in allen Unterrichtsbereichen (nicht nur im biblischen Unterricht) der Maßstab für die kritische Auseinandersetzung mit den historischen und herrschenden Theorien und Ideologien.
Die Schüler werden vertraut gemacht mit der grundsätzlichen Begrenztheit der wissenschaftlichen Methode und erkennen die atheistische Vorentscheidung, die der Konzeption der heutigen Wissenschaften überwiegend in der Lehre und z.T. auch in der Forschung immer noch zugrundeliegt. Die Werke der abendländischen Kultur werden nach literarischen, philosophischen und künstlerischen Maßstäben, darüber hinaus auch hinsichtlich der geistlichen Wurzeln der Urheber betrachtet, um die unterschiedlichen "Geister der Propheten an ihren Früchten zu erkennen" (nach Matthäus 7,15-16) und beschreiben zu lernen.
3.6 Schüler machen sichere Schritte in ein erfülltes Leben
Wer "zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit trachtet" (Matthäus 6,33), d.h. wer Gottes Willen Vorrang einräumt gegenüber dem Eigenwillen, wird nicht nur leistungswillig, sondern auch leistungsfähig, "denn Gott ist es, der in (ihm) beides wirkt, das Wollen und das VolIbringen, nach seinem WohIgefallen" (PhiIipper 2,13).
Ein solcher Mensch lebt in der Furcht und in der Kraft Gottes, d.h. in der Übereinstimmung von Glauben, Denken und Handeln und dadurch zielgerecht, furchtlos und geborgen. Sein Leben ist gekennzeichnet von "Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit" (geistliche Frucht gemäß Galater 5,22), von bleibendem Nutzen für andere und von tiefer Freude für sein eigenes Leben.
3.7 Schüler werden als ganze Persönlichkeiten, d.h. geistlich, intellektuell, praktisch, musisch, körperlich und charakterlich gebildet
Es geht der Schule darum, die in jedem Menschen einzigartig von Gott angelegten Fähigkeiten und Fertigkeiten zu entwickeln "zum vollendeten Mann, zum vollen Maß der Fülle Christi" (Epheser 4, 13). Insgesamt hat die geistliche und charakterliche Bildung Vorrang gegenüber anderen Bildungsbereichen. Gleichwohl soll das Niveau auf intellektuellem Gebiet mindestens dem der Staatsschulen gleich sein.
Der ganze Mensch aus Geist, Seele und Leib soll das im Bauplan seines Schöpfers vorgesehene Format und Profil einer Persönlichkeit (biblisch: "Bild Gottes") erreichen, das für ein erfülltes Leben in der Kraft Gottes und im Dienst Gottes nötig ist. Entscheidend ist nicht die Größe einer Persönlichkeit, sondern ihre Übereinstimmung mit dem Plan Gottes. Wir gehen von dem in der Praxis bewährten christlichen Gebot aus, dass im Glauben an Jesus Christus auch stark gegensätzliche Persönlichkeiten "einander annehmen, wie Christus (sie) angenommen hat zu Gottes Lob" (Römer 15,7).
- Geistliche und charakterliche Bildung orientieren sich an dem für alle Menschen im Wesentlichen gleichen, in der Bibel vorgegebenen Weg (biblisch: "ohne Ansehen der Person"). In der Schule soll die Gemeinschaft vom Geist Jesu bestimmt sein. Lieben wie er, vergeben wie er, das Böse mit Gutem überwinden wie er, im Geiste wandeln wie er, beten, segnen und helfen wie er, demütig und gehorsam sein wie er, treu und wahrhaftig sein wie er, das sind die Ziele charakterlicher Bildung.
- Intellektuelle, praktische und musische Bildung demgegenüber richten sich stärker nach den Begabungen des Einzelnen. Bei aller Begrenztheit der möglichen persönlichen Zuwendung und der Möglichkeiten zu individueller Förderung sollen Gaben jedes Einzelnen sorgfältig ermittelt und angemessen gefördert werden. Wir erstreben eine deutliche Differenzierung, betonen aber dabei die Gleichwertigkeit und die gegenseitige "Höherachtung" für mehr intellektuelle oder mehr praktische BiIdungsinhalte. Leistung wird gefordert und beurteilt, aber geringere Leistung darf nicht zu geringerer Wertschätzung führen.
- Der Sportunterricht zielt auf die gesunde Entwicklung des Körpers ( = "der Tempel Gottes" 1. Korinther 3,16-17), auf Freude an der Bewegung, auf Körperbeherrschung und Selbstdisziplin des ganzen Menschen ("lauft so, dass ihr den unvergänglichen Siegespreis erlangt" 1.Korinther 9,23-27), nicht auf gesundheitsgefährdende Höchstleistungen.
- Die praktische Bildung dient der Erziehung zu verantwortungsvoller Handarbeit, dem pfleglichen Umgang mit Geräten und Material, der Anleitung zu Ausdauer, Reinlichkeit und Ordnung und der Ausbildung von handwerklichen Fertigkeiten für das tägliche Leben.
- Die musische Bildung soll gestalterische und darstellende Begabungen entwickeln. Die Schule soll dazu beitragen, dass durch ihren Unterricht in Kunst und Kultur wieder stärker christliche Vertreter und christliche Themen zu finden sind. Musik im Allgemeinen und geistliche Lieder zum Lob und zur Anbetung Gottes im Besonderen lernen die Schüler als Ausdruck ihres Glaubens und ihrer Freude, zum Trost in schwierigen Lebenslagen und als Mittel, sich und anderen damit eine Freude zu bereiten.
- Die geistliche Bildung dient der Erziehung zum Glauben an Jesus Christus, Gottes Sohn und zum christlichen Leben in der Gemeinschaft des Heiligen Geistes. Die Schule will und kann dazu Anregung und Hilfestellung geben, denn sie ist verantwortlich dafür, Gottes Heil in Jesus Christus mit Liebe und Entschiedenheit anzubieten. Sie kann jedoch keinen christlichen Glauben als Erfolg ihrer Erziehungsmaßnahmen garantieren, aber sie wird auf dieses Ziel ohne Druck hinarbeiten.
3.8 Schüler werden im Namen der Eltern erzogen
Die Eltern haben den Lehrern erzieherische Pflichten und Rechte im Rahmen der angeführten Erziehungsgrundsätze für den schulischen Bereich übertragen. Die Verbindung zwischen Schule und Familie bedeutet einerseits eine ständige Information der Eltern über das Schulgeschehen als Elternrecht, aber andererseits auch eine Verpflichtung der Eltern zu aktiver Zusammenarbeit mit Lehrern und Schulgremien.
4. Die Bedeutung der Bibel für den Unterricht
4.1 Beispiel: Deutschunterricht
Das Ziel einer an der Bibel ausgerichteten Erziehung kann für den Deutschunterricht nur erreicht werden, wenn die Schüler die Bibel und die deutsche Literatur gleichermaßen auf dem Hintergrund ihrer spezifischen Begriffsinhalte und Denkvoraussetzungen und auf der Grundlage ihres Selbstverständnisses kennen lernen. So bedeuten beispielsweise "Glauben, Hoffen, Lieben" in der Bibel eben nicht "Nichtwissen, Zukunftswunsch und von Reizen ausgelöste Zuneigung" sondern "personale Loyalität, sichere Zukunftserwartung und unbedingte willentliche Zuwendung". Die Schüler sollen den zeitbedingten Einfluss der Sprache auf das Denken erkennen und die Verführungskraft von Formulierungen, die das Wort Gottes als von vornherein überholt erscheinen lassen wollen.
Selbst bibelfeste Christen haben ihr Denken und Leben auf biblischer Basis in den letzten 250 Jahren mit zunehmender Tendenz so weit verfallen lassen, dass sie sich über die Sprache zunächst dem Denken des humanistischen Bildungsbürgers und schließlich dem Denken des weitgehend auf kurzfristige Bedürfnisbefriedigung ausgerichteten Anspruchstellers angepasst haben. Wer sich, als Christ, allein durch populäre Begriffe aus der Literatur und den Medien in seinem Denken bestimmen lässt, nimmt zunächst kaum wahr, wie die biblischen Grundlagen seines Denkens laufend ausgehöhlt werden. In der nächsten Krise aber, wenn er die Unverträglichkeit von biblischer und zeitgemäßer Denkweise bemerkt, wird er sich häufig aus Unwissenheit "zur Erhaltung seiner intellektuellen Redlichkeit" in die Bibelkritik flüchten. Demgegenüber betrachten wir die Normen und Werte aus der klassischen und modernen Literatur unter Berücksichtigung ihres historischen Hintergrundes und setzen uns mit den Differenzen von beiden Seiten her auseinander, wenn sie mit den biblischen Ordnungen nicht im Einklang stehen.
4.2 Beispiel: Schöpfung und Evolution
Die Bibel informiert über den Urheber der Schöpfung und der Schöpfungsgesetze, sie führt die Entstehung und den Bestand der Welt und des Lebens auf die persönliche Entscheidung des ewigen Gottes zurück. Die Evolutionstheorie bemüht sich, den Ursprung der Welt ohne einen personalen Schöpfer zu erklären. Sie führt die "Selbstentstehung des Lebens" auf einfache, durch Zufall hervorgerufene, chemische Reaktionen über sehr lange Zeiträume zurück. Beide Modelle können ihre Vorstellungen über die Wirkungszusammenhänge im naturwissenschaftlichen Sinne weder beweisen noch widerlegen, weil sich die Deutung der beobachteten Erscheinungen dem wissenschaftlichen Zugriff entzieht. Der Wunsch nach menschlicher Autonomie, im Sinne einer Abschaffung der Verantwortung vor Gott, ist u. E. eine wesentliche Ursache des Evolutionsgedankens. Der Darwinismus kann seinen Anspruch der Welterklärung ohne Schöpfung nur unter den eigenen Voraussetzungen durchhalten. Die biblischen Aussagen über die Welt- und Lebensentstehurg sind weder widerlegt, noch stehen sie im Widerspruch zu gesicherten Erkenntnissen. Wir lehren das Evolutionskonzept und das Schöpfungskonzept mit ihren Hintergründen, wir bekennen uns zum biblischen Schöpfungsbericht. Wir verfolgen mit Interesse die aktuelle Auseinandersetzung der Fachleute auf diesem Gebiet.
4.3 Beispiel: Geschlechtererziehung
Nirgendwo sonst zeigt sich die Erziehung im Namen der Eltern deutlicher als in der Geschlechtererziehung. Dieser Bereich ist die originäre Aufgabe beider Elternteile, die Schule aber ist gern bereit, Jungen und Mädchen über alle Besonderheiten ihrer Geschlechtlichkeit behutsam, schrittweise und rechtzeitig durch den Lehrer als Vertrauensperson zu informieren. Der Schwerpunkt liegt auf den im praktischen Leben zu bewältigenden Situationen und Pubertätsproblemen und der Vorbereitung auf die Sexualität in der Ehe. Eine Aufforderung zum freien Gebrauch der Sexualität, verbunden mit technischer Sexualkunde, findet nicht statt. Der Klassenlehrer gibt zugleich persönlichen Rat und leistet seelsorgliche Hilfe bei Schwierigkeiten.
5. Unterschiede zu Staatsschulen und anderen Bekenntnisschulen
5.1 Die AHF-Schule orientiert sich an Gottes Führung
In jeder Klasse wird jeder Tag unter die Führung Gottes gestellt. Die tägliche Morgenandacht wird vom Klassenlehrer, möglichst unter Beteiligung von Schülern, gestaltet und umfasst die Bibelauslegung und das gemeinsame Singen und Beten.
5.2 Alle Mitarbeiter der Schule dienen Gott mit ihrer Arbeit
Als Christen, die auf der gemeinsamen Grundlage der Bibel in diese Aufgabe berufen sind, haben sich die Mitarbeiter den Zielen der Schule verpflichtet. Neben der fachlichen und menschlichen Qualifikation erfüllen sie die biblischen Voraussetzungen für Diakone (Apostelgeschichte 6,3 und 1. Timotheus 3,8-13). Die Heilige Schrift gibt ihnen Leitlinien, Maßstäbe und praktische Hilfen für die Erziehung und das Miteinanderleben, das durch Liebe, Rücksichtnahme, Geduld, Vertrauen und Vergebungsbereitschaft geprägt ist. Die Lehrer können Autorität ausüben, Vorbild sein, Grenzen setzen und Gehorsam fordern, weil und solange sie sich selbst in all diesen Dingen von Gott erziehen lassen.
5.3 Eltern und AHFS stehen hinter demselben Erziehungskonzept
Christliche Eltern und die freie christliche Schule haben gemeinsame Wertvorstellungen. Schüler, die an Jesus Christus gläubig geworden sind, werden daher in ihrem Glauben bestärkt. Sie sollen aber auch die sachliche Auseinandersetzung mit gegensätzlichen Ansichten von Nichtchristen lernen und ihre Überzeugungen vor sich selbst und anderen begründen können.
Die Lehrer betreiben keine schamverletzende Sexualkunde, keine Emanzipations- und Konfliktpädagogik gegen das Elternhaus, insbesondere keine Solidarisierung der Schüler für oder gegen Minderheiten. Im Gegenteil, die Lehrer erziehen im Einklang mit dem Elternwillen kraft der von den Eltern auf die Schule delegierten Autorität.
5.4 Die Schule gibt Antwort auf die Fragen des Lebens
Die Bibel stellt alle wichtigen Fragen und gibt Gottes Antworten auf alle wichtigen Fragen. Auf Jesus Christus kann man ein Leben bauen, das seine Standfestigkeit von ihm hat und nicht abhängig ist von historisch veränderlichen Weltbildern oder den schwankenden Wertempfindungen gesellschaftlicher Gruppen. Vor allem gibt die christliche Schule eine völlig neue Grundlage für das Selbstwertgefühl (nicht: Weil du wertvoll bist, liebt dich Gott, sondern: Weil dich Gott liebt, bist du wertvoll (nach 5.Mose 7,7 und Jesaja 43,4).
5.5 Die Schule sucht nicht nach Schuldigen für das Unabänderliche
Wir beten um die Weisheit zu erkennen und zu ändern, was zu ändern ist. Bei allem Wissen um die Missstände und das Elend in der Welt konzentrieren wir unseren Blick vor allem aber darauf, wo unsere eigene Schuld zur Ursache von Problemen wird und danken Gott jeden Tag, dass er Geduld mit uns hat und uns nicht unverzüglich nach unseren Werken richtet.
5.6 Das Lernen macht Freude
Christen haben eine in der Bibel verbriefte gute Zukunft, das gibt dem Lehren und Lernen seinen Sinn. Diese Zuversicht soll sich von den Lehrern auf die Schüler übertragen. Die Lehrer beten für die Schüler, wir reden miteinander freundlich und bestimmt, wir arbeiten mit Ausdauer und Konzentration. Das macht Freude, weil wir wissen, wozu die Mühe gut ist.
5.7 Die AHFS ist Schule im Sinne der christlichen Väter
Martin Luther wollte christliche Eltern als Träger christlicher Schulen, damit das Wort Gottes jedermann zugänglich gemacht wird. August Hermann Francke führte die pietistische Pädagogik ein, damit sittliches und religiöses Leben für die Zukunft gesichert wird. Auf Francke geht die Ausrichtung aller Bildung und Erziehung auf die Heilige Schrift zurück. Er sah die eigentliche Aufgabe christlicher Erziehung in der grundsätzlichen Orientierung der Kinder auf Gott hin. Von Francke haben wir zahlreiche Anregungen übernommen (Geborgenheit, Vertrauen, Selbständigkeit, Anschaulichkeit, Vorbild, usw.).
Francke hat sich, ebenso wenig wie wir, den Entwicklungen und Problemen der Zeit verschlossen, aber er vertraute und wir vertrauen darauf, dass begabte und fachlich gut ausgebildete, von Gott berufene gläubige Lehrer mit der Hilfe des Heiligen Geistes für unsere Kinder die besten Pädagogen sind.
5.8 Unterschiede zu bestehenden Bekenntnisschulen in Hamburg
Bekenntnisschulen mit kirchlicher Abhängigkeit gehen von der Annahme aus, dass ein in früher Kindheit getaufter Schüler Christ sei, der dieses Christsein durch die Konfirmation nur zu bestätigen brauche. An der AHFS wird, bei aller Respektierung der Kindertaufe, gelehrt, dass ein Mensch Christ wird, wenn er selbst Gottes Heilsangebot im Glauben an Jesus Christus annimmt und ihm sein Leben übereignet. Von den Lehrern wird ein Leben unter der Herrschaft Gottes erwartet, den Schülern wird angeboten, Christen zu werden.
6. Praktischer Ausblick
Die in diesem Erziehungskonzept beschriebenen Ziele, Methoden und Formen werden einige bisher übliche Konzepte ersetzen, aber sie werden auch durch bewährte Konzepte der gewachsenen staatlichen Schule ergänzt werden. Wir wollen nicht um jeden Preis neue Formen finden. Freilich wissen wir auch von uns aus nicht immer sicher zu entscheiden, welche Formen für den einzelnen Schüler in der speziellen Situation angemessen sind. Aber: Wir sind keineswegs ratlos, wir können Gott um jeden erzieherischen Rat fragen (biblisch: "um Weisheit bitten", nach Jakobus 1,5 und "er will uns mit seinen Augen leiten", nach Psalm 32,8). Seine persönliche Führung wird er nicht nur auf jeden einzelnen Schüler, sondern auch auf jeden einzelnen Lehrer abstimmen. Bis zum Ende der Grundschule geht es, neben den elementaren Kulturtechniken, vor allem um Geborgenheit, Wertorientierung, Arbeitsfreude/Ausdauer, Probieren/Nachahmen und Wachstum in geschützter Umgebung. Später verlagert sich der Schwerpunkt auf Sachwissen und selbständiges Arbeiten, auf Urteilsfähigkeit und die Auseinandersetzung mit der Realität dieser Welt und all ihren Herausforderungen und Schwierigkeiten.
Der Schulträger wird das Erziehungskonzept in Zusammenarbeit mit den christlichen Eltern zukünftiger Schüler unter der Kontrolle des Wortes Gottes weiterentwickeln. Das Wagnis, dass christliche Eltern eine freie christliche Schule auf biblischer Grundlage betreiben, ist nur möglich im Vertrauen auf unseren Herrn Jesus Christus und seinen Segen, weil er uns den Auftrag dazu gegeben hat.
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