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August Hermann Francke - ein Portrait

August Hermann Francke (1663 - 1727)

Der Lebensweg des Theologen und Pädagogen begann in einem angesehenen Elternhaus in Lübeck. Sein Vater, Johann Francke, war in der Hansestadt Rechtsanwalt und Syndikus, seine Mutter, Anna Gloxin, Tochter des Bürgermeisters. Der Herzog von Gotha berief Johann Francke im Jahre 1666 als Hof- und Justizrat an seinen Hof nach Gotha. Dort starb der Vater vier Jahre später, so dass die Mutter die sechs Kinder allein großzog.

Einen großen Teil seiner Kindheit und Jugend verbrachte Francke in der frommen, für Reformen offenen Residenzstadt. Der Geist des Elternhauses stimmte damit völlig überein. August Hermann Francke begann mit 16 Jahren das Theologiestudium, studierte in Erfurt, Kiel, Hamburg und Leipzig. Dort hielt er Vorlesungen bis 1687 zum Alten Testament. Zu dieser Zeit wollte er "ein vornehmer und gelehrter Mann werden".

Zur Vorbereitung auf das Pfarramt kam er nach Lüneburg zu dem Superintendenten Sandhagen. Dort erlebte er nach einer tiefgreifenden Lebenskrise Bekehrung und Wiedergeburt. Er beschreibt es so: "Denn wie man eine Hand umwendet, ...ich war versichert in meinem Herzen der Gnade Gottes in Christo Jesu, ich konnte Gott nicht allein Gott, sondern meinen Vater nennen, ... ich stand ganz anders auf, als ich mich niedergelegt hatte." Im Februar 1689 nahm er die Vorlesungen in Leipzig wieder auf, diesmal über das Neue Testament mit einem lebendigen Glauben und großem Zulauf - allerdings auch mächtigen Gegnern.


Schon Ende 1689 musste Francke Leipzig verlassen; Pfingsten 1690 wurde er "Diakonus" an der Augustinerkirche in Erfurt. Als auch dort die frommen Pietisten verfolgt wurden, wurde er Anfang 1692 Pastor an der Georgenkirche in Glaucha - einem kleinen Ort "mit siebenunddreißig Kneipen", nahe bei Halle. Es schmerzte ihn, dass die Kinder der Armen ohne jede schulische Erziehung und christliche Unterweisung aufwuchsen. Er teilte zunächst Speisen und Geld aus, damit die Armen für ihre Kinder den Schulbesuch bezahlen konnten, ohne viel Erfolg. So begann er Ostern 1695 mit einem Startkapital von vier Talern und sechzehn Groschen seine Armenschule. Lehrer waren seine Studenten der neuen Universität in Halle. 1699 unterrichteten schon 72 Lehrkräfte, 100 der mehr als 1000 Schüler waren Waisenkinder, die im Hause versorgt wurden.
 
Die "Stiftung" umfasste Schulen, Internate für Waisen und Wirtschaftsbetriebe wie Verlag und Druckerei, Bäckerei, Buchgeschäft und die berühmte "Waisenhausapotheke". Die preußischen Könige Friedrich I und Friedrich Wilhelm I gewährten dem Werk Befreiung von allen Abgaben und öffentlich-rechtlichen Charakter.
 
 
Für Söhne gut gestellter Leute gab es das "Paedagogium Regium", für höhere Töchter das "Gynaeceum", beides Schulen mit Schulgeld, für alle anderen - auch Waisen - die Lateinschule, die auch der Vorbereitung auf das Studium diente. Absolventinnen des Gynaeceums wurden die ersten weiblichen Studenten in Deutschland.
 
Im Jahr 1716 unterrichteten 150 Lehrkräfte etwa 2000 Schüler. Dazu kam das "Seminarium Praeceptorum", eine behelfsmäßige Lehrerbildungsanstalt für Theologiestudenten.

Daneben war Francke seit 1692 ordentlicher Professor an der neu gegründeten Universität Halle, anfangs an der philosophischen, ab 1698 auch an der theologischen Fakultät. Seiner Lehre folgten Studenten aus aller Herren Länder mit Begeisterung, denn sie fühlten sich von der lebensnahen Schriftauslegung und der praktischen Einübung ins Amt mehr angezogen als von den dogmatischen Vorlesungen der orthodox-lutherischen Fakultäten.

Der Pädagoge Francke hat Schulen eingerichtet und organisiert, Begabungstests durchgeführt, die deutsche Rechtschreibung vereinheitlicht, Mitarbeiter ausgebildet und eingestellt, fast alle Konferenzen im Werk selbst geleitet, ein Großunternehmen als Glaubenswerk aufgebaut, aber selbst wenig unterrichtet und nie ein geschlossenes Lehrsystem aufgestellt. Er wollte in seiner armen und bildungsschwachen Zeit "die Kinder zur wahren Gottseligkeit und christlichen Klugheit anführen". Dazu fand er bahnbrechende praktische Wege und Unterrichtsmittel ("Realien", Schulgarten, Werkunterricht) für alle Kinder aus allen Schichten, auch für die Verwahrlosten der Gesellschaft. Die reichhaltige Materialiensammlung ist zum großen Teil in Halle bis heute erhalten.

August Hermann Francke starb im Juni 1727 - im Alter von 64 Jahren - an den Folgen eines Schlaganfalls, den er im November 1726 erlitten hatte. Sein Schwiegersohn, Johann Anastasius Freylinghausen, setzte das Werk der "Franckeschen Stiftungen" fort. Die eindrucksvollen Gebäude wurden nach 1990 aufwändig restauriert; die Schule selbst hat sich in den letzten 200 Jahren den zeitbedingten Veränderungen angepasst.


Details zur Biographie und Literaturverzeichnis bei www.bautz.de.
Die Bilder von Francke sind bei den Feiern zum zehnjährigen Schuljubiläum 2001 entstanden und zeigen natürlich nicht Herrn Francke, aber Uwe Leiding in zeitgemäßer Kleidung, wenn auch mit für die Zeit untypischen, schallverstärkendem Beiwerk.